Die Deichtorhallen Hamburg stellen ihr Programm 2018 vor.

»Historische und ästhetische Brückenbildungen zwischen der zeitgenössischen und historischen Kunst werden in den Ausstellungen der Deichtorhallen 2018 einen Schwerpunkt bilden« so Intendant Dirk Luckow auf der Jahrespressekonferenz der Deichtorhallen Hamburg am 5. Dezember 2017. »In Ausstellungen wie ‚Proof’ mit Goya, Eisenstein und Longo wie auch in den parallelen Ausstellungen von Charline von Heyl und Asger Jorn bis zur Präsentation der Skulpturensammlung der Staatsgalerie Stuttgart durch den Künstler Florian Slotawa werden künstlerische Blickachsen über viele Generationen und Kunstepochen geschlagen. Selbst das fotografische Projekt ,gute aussichten’ wird in 2018 in die noch junge Vergangenheit schauen. Und auch unsere Ausstellung zur Triennale der Photographie spannt den Bogen von historischen Positionen der Street Photography bis in die unmittelbare Gegenwart.«

 Astrid Klein: »Les illusions et les deceptions«, 1980, Fotoarbeit aus der Ausstellung ASTRID KLEIN.

Astrid Klein: »Les illusions et les deceptions«, 1980, Fotoarbeit aus der Ausstellung ASTRID KLEIN.



»Die Ausstellungen erfuhren im Jahr 2017 mit voraussichtlich 200.000 Besuchern eine sehr gute Medien- und Besucherresonanz. Das anspruchsvolle Ausstellungs- und Rahmenprogramm konnte in diesem Jahr wieder Dank einer Vielzahl von Sponsoren und Drittmittelgebern realisiert werden. Neben den großen Haussponsoren UBS, Olympus, CEWE und E&Y kamen dem Ausstellungsponsor VW und dem Förderkreis der Deichtorhallen eine große Bedeutung zu. Durch eine zusätzliche Projektförderung der Behörde für Kultur und Medien konnte die Elbphilharmonie Ausstellung Anfang des Jahres 2017 ermöglicht werden. Insgesamt konnten Sponsoren- und Drittmittel im Jahr 2017 in Höhe von 1,3 Mio Euro eingeworben werden. Diese sind ein bedeutender Bestandteil der hohen Eigenerwirtschaftungsquote der Deichtorhallen mit rund 67 %. Vorbehaltlich der Fortführung der aktuellen positiven Entwicklungen erwarten die Deichtorhallen zum siebten Mal in Folge wieder ein au sgeglichenes wirtschaftliches Ergebnis trotz herausfordernder Rahmenbedingungen«, so der Kaufmännische Direktor Bert Antonius Kaufmann auf der Jahrespressekonferenz. 

 Bruce Weber: »Jean Luz and Luiza, Copacabana Palace«, Rio de Janeiro, aus der Ausstellung BRUCE WEBER – FAR FROM HOME.

Bruce Weber: »Jean Luz and Luiza, Copacabana Palace«, Rio de Janeiro, aus der Ausstellung BRUCE WEBER – FAR FROM HOME.


Darüber hinaus stehe die Digitalisierung als ein gegenwärtiges und kommendes Projekt ganz vorn auf der Agenda der Deichtorhallen. Bisher würden das freie WLAN, die digitalen Ausstellungsführer sowie Social Media mit diversen Blog-Aktivitäten intensiv genutzt. 2018 werde die Webseite neu konzipiert und gestaltet und liefere dann noch mehr Hintergründe zu Ausstellungsthemen und Besucherservice. 

Das Ausstellungsjahr beginnt mit »gute aussichten DELUXE – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule«, der Jubiläumsausstellung zu dem seit vielen Jahren aktiven Nachwuchsförderprojekt »gute aussichten«. Vom 26. Januar bis 21. Mai 2018 werden 25 herausragende fotografischen Positionen aus 13 Jahren des renommierten Wettbewerbs präsentiert. Diese Ausstellung wird durch das gewohnte Format »gute aussichten - junge deutsche fotografie« ab dem 14. Februar 2018 ergänzt.

Künstlerische Blickachsen von der Vergangenheit in die Gegenwart eröffnen sich auch in der Ausstellung »Proof« vom 17. Februar bis 27. Mai 2018. US-Künstler Robert Longo (geb. 1953), dessen bis zu 7,5-Meter großen Zeichnungen sich mit dem politischen und gesellschaftlichen Wandel auseinandersetzen, stellt sein Werk in den Kontext mit den gesellschaftskritischen Arbeiten von Francisco Goya (1746–1828) und Sergei Eisenstein (1898–1948). Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert über drei Kontinente hinweg offenbart sich der Umgang politischer Mächte mit gesellschaftlichen Krisensituationen und deren Wahrnehmung durch die Künstler in ihrer Zeit.

Die Einzelausstellung Astrid Klein inszeniert auf drei Stockwerken der Sammlung Falckenberg vom 24. März bis 2. September 2018 eine umfassende Schau über die Werkphasen einer der profiliertesten Künstlerinnen ihrer Generation. In den verschiedenen Werkphasen beschäftigt sich die Künstlerin in ihren Collagen mit politischen Themen sowie der Darstellung der Frau in Medien und Film. Die Schrift wird von Klein dabei immer wieder als zentrales, formales Element verwendet.

Mit Charline von Heyl und Asger Jorn setzen die Deichtorhallen zwei abstrakte Malereipositionen vom 22. Juni bis 23. September 2018 in Szene, die sowohl historisch als auch in ihrem Gedankenspiel aufeinander aufbauen. Der Däne Asger Jorn (1914–1973) wandte sich als einer der ersten abstrakten Maler ab von einer geplanten Bildkomposition hin zu einem radikal abstrakten, spielerischen Ansatz. Er wurde zu einer Identifikationsfigur nicht nur in der skandinavischen Kunstwelt. Auch die in New York lebende deutsche Künstlerin Charline von Heyl (geb. 1960) sieht im Antistil und Exzess Jorns eine ihrer gedanklichen Quellen. Ihre faszinierenden Bilder entfalten sich in einem komplexen Wechselspiel von Bildebenen zwischen Mustern, angedeuteten Silhouetten und freier Malerei. Sie nimmt eine einzigartige Position in der internationalen abstrakten Malerei ein und ist in Sammlungen wie der Tate Modern, London oder dem Museum of Mod ern Art in New York vertreten.

Der Sommer steht ganz im Zeichen der »Triennale der Photographie«, dem Hamburg weiten Fotofestival, das unter der Regie der Deichtorhallen organisiert wird. Die Ausstellung »Street. Life. Photographie« gibt vom 8. Juni bis 7. Oktober 2018 im Haus der Photographie mit 350 Arbeiten von rund 50 Künstlerinnen und Künstlern einen Überblick über die Street Photography der letzten sieben Jahrzehnte. Ikonen der Fotografiegeschichte aus der Sammlung F.C. Gundlach wie Diane Arbus, Robert Frank, Lee Friedlander, William Klein oder Martin Parr werden in der Ausstellung gemeinsam mit jungen internationalen Positionen präsentiert. Die Ausstellung ist in sieben thematische Gruppen gegliedert: Street Life, Crashes, Public Transfer, Urban Space, Lines and Signs, Anonymity und Alienation.

Eine der bedeutendsten Skulpturensammlungen Deutschlands nutzt der Berliner Künstler Florian Slotowa (geb. 1972) vom 18. Oktober 2018 bis 27. Januar 2019 als künstlerisches Material. Die Staatsgalerie Stuttgart geht zusammen mit den Deichtorhallen in der Ausstellung »Stuttgart sichten« das Wagnis einer Sammlungspräsentation als künstlerische Gesamtinstallation in der 3.000 qm umfassenden Halle für aktuelle Kunst ein. Zugleich ermöglicht die Ausstellung einen epochalen Überblick über die Entwicklung der Skulptur der letzten drei Jahrhunderte u.a. mit Werken von Auguste Rodin bis Richard Deacon.

Der seit den 1980er Jahren als Ikone der Modefotografie geltende Bruce Weber (geb. 1946) nimmt vom 25. Oktober 2018 bis 24. Februar 2019 in der Ausstellung »Far from Home« die Besucher mit auf eine fotografische Weltreise von Vietnam über Südafrika nach Brasilien oder Marokko. Weber dienten die Orte seiner Modeshootings zugleich auch als Inspiration für ein facettenreiches fotografisches und filmisches Werk, das weit über die Modefotografie hinausreicht. 

Zeichnungen, Installationen und Videoarbeiten des durch seine aufsehenerregenden Motive bekannt gewordene Künstlers Ralf Ziervogel (geb. 1975) werden in der Sammlung Falkenberg 30. September 2018 bis 27. Januar 2019 gezeigt. In seinen vornehmlich zeichnerischen Werken, bezieht er sich dabei auf ein breites Spektrum der Geschichte der Zeichnung: von Höhlenmalerei bis Comic. Hier schlägt er als zeitgenössischer Künstler einen Bogen durch die Historie der künstlerischen Ausdrucksformen bis in die Gegenwart.

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