Noch bis zum 8. Oktober in der Albertina in Wien zu sehen: Österreich Fotografie 1970 -2000

Österreich Fotografie 1970–2000 


14. Juni – 8. Oktober 2017


Wie sieht Österreich im Fokus der eigenen, heimischen Linse aus? Dieser Frage geht erstmals eine umfassende Fotoausstellung der Albertina nach, deren Motive in einer Zeitspanne von dreißig Jahren ihren Ausgang nehmen – ein Zeitraum, in dem sich die Fotografie stark erneuert und der Begriff Heimat neu bestimmt wird.  

Bernhard Fuchs Frau K., St. Margareten, 1999 Albertina, Wien

Bernhard Fuchs
Frau K., St. Margareten, 1999
Albertina, Wien


Österreichische Fotografinnen und Fotografen beleuchten das eigene Land und seine kulturellen Identitäten – auch soziale Milieus werden dabei durch teilweise schonungslose wie direkte Bilder dokumentiert. Der Blick nach innen offenbart oftmals Aspekte, die im Begriff waren, zu verschwinden. Ins Licht gerückt werden das Land, die politische Vergangenheit, soziokulturelle Identitäten und urbane Räume. Zunächst dokumentarisch motiviert, offenbart die österreichische Fotografie nach 1970 vielfach subjektive Einblicke und definiert dabei neue Bildbegriffe und -konzepte. Hierbei wird auch Fragen der Herkunft nachgegangen.  
Die 1970er-Jahre sind von einem Aufbruch geprägt, in dem FotografInnen ein neues Selbstverständnis entwickeln und sich vielfältige fotografische Strömungen herausbilden: Dokumentarische Strategien und die Auseinandersetzung mit dem Medium selbst zeichnen die Fotografie in Österreich zwischen 1970 und 2000 aus.  


Das Regionale im Fokus 


Die Auseinandersetzung mit dem Land ist zugleich Spurensuche und Spurensicherung: So finden z.B. alltägliche Szenen des ländlichen Lebens in den Werken Manfred Willmanns und Heinz Cibulkas ihren Platz. Sie spüren mit ihren Arbeiten soziokulturellen Strukturen nach. Mit ihren Praktiken reformieren sie die ideologische Konnotation des Landes, das dieses durch die Heimatfotografie erfahren hatte. Diese Fotografien verfolgen dokumentarische Ziele durch subjektive Eindrücke: Willmanns grell ausgeleuchtete Detailansichten von Vegetation, Sonnenuntergängen oder geschlachteten Tieren begreifen das Land abseits jeglicher Idylle. Cibulkas Bilder wiederum erlauben durch ihre Anordnung als Vierertableaus assoziative Vergleiche.
Dazu völlig konträr sind die Fotos von Norbert Brunner und Michael Schuster: Sie unternehmen eine konzeptueller angelegte, wissenschaftliche Kartografierung des Landes.
Orte der Erinnerung
Heimrad Bäcker und Seiichi Furuya zählen zu den wenigen FotografInnen, die sich vor 1986 kritisch mit der politischen Geschichte Österreichs und der Darstellbarkeit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzen. Der in Japan geborene und seit den 1970er-Jahren in Österreich lebende Künstler Furuya befasst sich zudem mit der politischen Gegenwart der 1980er-Jahre. Er fotografiert den Eisernen Vorhang, den er über Fotos von Landschaften, Wachtürmen und Schildern erfasst. Aufgrund dieser dezidiert politischen Stoßrichtung nimmt seine Arbeit eine singuläre Stellung innerhalb der österreichischen Fotografie ein.  

Kulturelle Identitäten


Eine betont sozialkritische Annäherung an die Heimat lassen Werke von Nikolaus Walter, Branko Lenart und Robert F. Hammerstiel erkennen. Sie stehen für einen Strang innerhalb der österreichischen Fotografie, dem die sozialisierende Dimension von Heimat zum vorrangigen Anliegen wird. 
In Porträts charakterisieren Bernhard Fuchs, Leo Kandl und Gerhard Roth den Menschen über sein soziales Umfeld. Bei aller Unterschiedlichkeit ihrer fotografischen Ansätze eint sie die Konzeption des sozialen Lebensumfeldes als identitäre Entsprechung des Menschen. Dass die Charakterisierung hierbei über ihre topografische Umgebung nicht auf das ländliche Milieu beschränkt bleiben muss, führt Leo Kandls Porträtserie von Gästen Wiener Weinhausschenken beispielhaft vor. 
Lisl Ponger schlägt einen eigenen Weg ein: Anhand des Themas Migration beschreibt sie kulturelle Identität nicht mehr als durch den geografischen Raum konstituiert. Sie inszeniert ÖsterreicherInnen, die sich andere Kulturen zu Teilen ihrer Identität gemacht haben. 
Urbane Feldforschungen
Elfriede Mejchar und Johannes Faber fotografieren durch menschliche Spuren in den städtischen Peripherien urbane Entwicklungen. Viele Arbeiten sind konzeptuell ausgerichtet: Den Werken von Bodo Hell, Friedl Kubelka, Peter Dressler und VALIE EXPORT eigen ist ein Konzept der Stadt als Raum sozialer und kultureller Praxis, dessen Repräsentation sie mithilfe der Frage nach subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungen neu deuten. Viele dieser Fotos erfassen beiläufige, alltägliche Motive und verhandeln so machtpolitische Verhältnisse. 
Österreichische FotografInnen erneuern zwischen 1970 und 2000 klassische Darstellungen von Heimat. Dokumentarisch und kritisch, subjektiv wie auch konzeptuell nähern sie sich Österreich an. Die ideologische Auseinandersetzung mit der Frage, wie Heimat zu erfassen ist, hält bis heute an. Insofern sind viele der in der Ausstellung gezeigten Bilder als emanzipatorische Leistung zu betrachten, da sie sich durch ihre alternativen Darstellungen von Lebenswirklichkeiten eine Heimat angeeignet haben, die zuvor nur in ihrer ideologischen Verfremdung existiert hatte. 
Die Ausstellung zeigt u.a. zahlreiche Fotografien aus den hauseigenen Beständen sowie der Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg und entsteht in Kooperation mit dem Bundeskanzleramt, Sektion Kunst und Kultur, sowie mit dem Museum der Moderne Salzburg.

 
Vertretene Fotografinnen und Fotografen: 


Heimrad Bäcker | Gottfried Bechtold | Norbert Brunner & Michael Schuster | Heinz Cibulka | Peter Dressler | VALIE EXPORT | Johannes Faber | Bernhard Fuchs | Seiichi Furuya | Robert F. Hammerstiel | Bodo Hell | Helmut Kandl | Leo Kandl | Friedl Kubelka | Branko Lenart | Elfriede Mejchar | Lisl Ponger | Gerhard Roth | Günther Selichar | Nikolaus Walter | Manfred Willmann 

Foto-Contest | #NeoÖsterreich


Wie sieht Österreich heute durch die eigene Kamera aus? Österreichische Fotografinnen und Fotografen beleuchten das Land vermehrt ab 1970. In rund 50 Jahren hat sich Österreich allerdings stark verändert. Die Albertina lädt Besucherinnen und Besucher, WienerInnen und (Neo-)ÖsterreicherInnen ein, das zeitgenössische Österreich fotografisch zu dokumentieren und Eindrücke von #NeoÖsterreich mit dem gleichnamigen Hashtag auf den sozialen Netzwerken zu posten.  
Gemeinsam mit dem Magazin BIBER & den Instagramers Austria wird als Auftakt am 16. Juni ein Instawalk in der Albertina und an ausgewählten Orten in Wien organisiert. Der Foto-Contest läuft bis zum 8. Oktober 2017. 
Alle Informationen sind auf der Facebook-Page der Albertina zu finden: 
www.facebook.com/AlbertinaMuseum